— von Gabriele Stammermann

In guter Tradition fand nach zwei Jahren wieder unser Sprachenwettbewerb Rerum Certamen Antiquarum statt, der dieses Mal zudem den Abschluss einer Ära markiert: Der langjährige Beauftragte für Wettbewerbe im NAV Edgar Barwig verabschiedete sich in diesem Durchgang als Koordinator und gab die Leitung und Planung ab. Gleichzeitig wurde ein Novum eingeführt, da das Verfahren modernisiert resp. digitalisiert wurde, so dass nun die teilnehmenden Schulen über die Internetseite des NAV die benötigten Unterlagen downloaden konnten.

In Nachfolge von und in Zusammenarbeit mit Edgar Barwig wurden die niedersächsischen Schulen zu Schuljahresanfang 2015/16 angeschrieben und ihre Schülerinnen und Schüler zur Teilnahme an dem neuen Durchgang eingeladen. Landeseinheitlich fand dann am 05. November 2015 die Klausur statt, zu der sich 63 Schulen angemeldet hatten. Bei den Klausurtexten handelte es sich um Velleius Paterculus, Historia Romana, 2, 126, 1b-5 (Latein) und Platon, Menon 81, a-e (Griechisch). Insgesamt wurden 340 Klausurergebnisse über www.navonline.de rückgemeldet; hiervon haben sich 136 Schülerinnen und Schüler mit zweistelligen Ergebnissen für die 2. Runde (Hausarbeiten) qualifiziert. Die Bearbeitungszeit der Hausarbeitsthemen erstreckte sich vom 04.01. – 08.02.2016. Die Themen selbst konnten hierbei seit dem 17.12.2015 heruntergeladen werden, wovon insgesamt 73 Mal Gebrauch gemacht wurde. In Kooperation mit dem Vorstand, aber auch mit Kollegen anderer Schulen konnte wieder eine vielfältige Auswahl an Themen erstellt werden: 

  • „Wir schaffen das!“ - …es ist unglaublich zu berichten, wie leicht sie zusammenwuchsen
    Eine Interpretation von Sallust Cat. 6 und Vergil Aen. XI im Hinblick auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte.
  • „Est igitur res publica res populi“ – Die Suche nach der besten Verfassung
    Textgrundlage: Cicero, de re publica, erstes und zweites Buch; Hamilton, Madison, Jay, The Federalist Papers (in Auszügen, z.B. Nr. 63) 
  • Kriegsverbrechen in der Antike – und heute. Ein Vergleich
    Textgrundlage: Cic. off. 1,34-36; 2,23-29
  • Die Schöpfung – ein menschliches Prinzip? Ovids Schöpfungs- und Weltzeitaltermythos im interkulturellen Vergleich
    Textgrundlage: Ovid, Met. I, 5-150
  • Die letzte Welt? – Der Dichter in seiner verlorenen Heimat
    Textgrundlage: Ovid, Exildichtung (in Auszügen); Christoph Ransmayr, Die letzte Welt
  • Die Germanen – ein unkultiviertes Völkchen? Eine kritische Prüfung der Germanendarstellung durch Caesar auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse
    Textgrundlage: Caesar, De bello Gallico 6, 21-23
  • Wo die Seele Urlaub macht! Der gestresste Mensch auf der Suche nach Entschleunigung
    Textgrundlage: Seneca, epistulae morales 28
  • Summum est acumen, summa frugalitas: Ideale Frauen? Das Frauenbild der Römer
    Textgrundlage: z. B. Plinius, ep. IV, 19, aber auch viele andere
  • Wie viel Entscheidungsfreiheit hat der Mensch?
    Textgrundlage: Homer, Odyssee 1, 26-43 
  • Kriegshetze oder Kampf um die Freiheit?
    Textgrundlage: Demosthenes, Kranzrede/or.18, §71f.
  • Protagoras oder Darwin?
    Textgrundlage: Platon, Protagoras 320c8-322d5
  • „Asylon“ Zum Umgang mit Flucht und Vertreibung in der Antike am Beispiel der „Hiketiden“ des Aischylos

Angefertigt und eingegangen sind 50 Hausarbeiten. In Anbetracht des doch sehr kurzen Schuljahres darf an dieser Stelle erfreulicher Weise hervorgehoben werden, dass die Teilnehmerzahl nur minimal nach unten abgewichen ist. Ebenfalls ist an dieser Stelle Herrn Clemens Liedkte zu danken, da bei unserem neuen digitalen Verfahren kaum Probleme aufgetreten sind und so das Verfahren in diesem Sinne reibungslos ablaufen konnte. 

Das Abschlusskolloquium fand in diesem Jahr vom 09. – 11. Juni in Loccum statt. Als Landesbeste wurden folgende Schülerinnen und Schüler eingeladen:

  1. Alexandra Löbker (Gymnasium Ulricianum Aurich)
  2. Angelina Nüske (Ratsgymnasium Goslar)
  3. Madeleine Wagner (Gymnasium Groß Ilsede)
  4. Vivian Keune (Gymnasium Große Schule)
  5. Dennis Quint (Copernicus-Gymnasium Lönigen)
  6. André Grever (Copernicus-Gymnasium Löningen)
  7. Jan Niemann (Albertus-Magnus Gymnasium Friesoythe)
  8. Karin Jackwerth (Cato Bontjes van Beek-Gymnasium)
  9. Jana Bilanovic (Gymnasium Ulricianum Aurich)
  10. Jana Schaumburg (Altes Gymnasium Oldenburg)
  11. David Altmann (Gymnasium Ernestinum)
  12. Sabrina Amman (Gymnasium Ernestinum)

Auch in diesem Auswahlseminar verlief die Zusammenarbeit mit der Studienstiftung des deutschen Volkes problemlos, auch wenn in diesem Jahr wiederum die Stiftung selbst kein Mitglied mehr in die Auswahlkommission entsendet hat. Daher blieb die Zusammensetzung des Gremiums konstant, so dass es sich auch Edgar Barwig (Gymnasium Bersenbrück), Kerstin Blum (Gelehrtenschule des Johanneums Hamburg), Bernhard Breuing (Gymnasium Carolinum Osnabrück), Dr. Christian Stock (Nds. Landesschulbehörde, Regionalabteilung Hannover) und Gabriele Stammermann (Clemens-August Gymnasium Cloppenburg) zusammensetzte.

Im Rahmen der feierlichen Abschlussveranstaltung im Refektorium der Klosteranlage Loccum hielt Prof. Dr. Heiko von der Leyen den Festvortrag „Felix Jakoby: ein Leben für die griechische Geschichtsschreibung der Antike“, woran sich die Verabschiedung Edgar Barwigs schloss. Der Vorsitzende Stefan Gieseke sprach ihm Dank und Anerkennung für seine langjährige und gewissenhafte Arbeit aus und honorierte seine Arbeit mit einem Präsent. Im Anschluss hieran wurden schließlich diejenigen Schülerinnen und Schüler bekannt gegeben, die gemäß der Entscheidung der Auswahlkommission in die deutsche Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen wurden.

 

  • Jana Bilanovic (Gymnasium Ulricianum Aurich)
  • Jan Niemann (Albertus-Magnus Gymnasium)

 

Herzlichen Glückwunsch!

 

Stellvertretend für den gesamten NAV bedanke ich mich bei allen beteiligten Schülerinnen und Schülern sowie allen Lehrkräften, die auch dieses RAC wieder durch ihr hervorragendes Engagement und mit viel zusätzlicher Arbeit ermöglichten. Besonderer Dank gebührt zudem den Mitgliedern der Arbeitsgruppe und der Auswahlkommission sowie Herrn Dr. Roland Hain als Ansprechpartner der Studienstiftung für die problemlose Kooperation. Die festliche Abschlussveranstaltung im Refektorium geht auf das Engagement unseres neuen Vorsitzenden des NAV, Herrn Stefan Gieseke, zurück, der nun seit zwei Jahren den Vorsitz übernommen hat und zum ersten Mal die Abschlussveranstaltung federführend beging.

 

 

Friesoythe, den 09.11.2016

G. Stammermann

Koordinatorin für Wettbewerbe im Vorstand des NAV