— von Rüdiger Musolf

Carissime praeses Gieseke,

professores, doctores, spectabiles,

quibus toto in orbe terrarum illustriores inveniri non possunt,

amicissimi collegae,

gratissimi hospites nobilissimae scholae nostrae

et amici linguarum antiquarum!

Maximo gaudio huius conventus affectus vobis salutem dico / xairete!

Valde gaudeo vos in Frisiam Orientalem venisse - in illam regionem septentrionalem, in illam regionem gelidam et pluviosam, in illam regionem a toto mundo remotam.

Regio remota?

Fortasse: remota ab Hannover urbe, remota ab Osnabrück, Neustadt am Rübenberge, Soltau, Groß-Mackenstedt, remota ab aliis capitibus mundi. Sed minime remota a linguis antiquis. Haec schola ab initio permultis radicibus cum voce Latina et Graeca coniuncta est. Etiamnunc illae linguae in Ulriciano schola vigent ac florent.

Nunc autem sermone Germanico vel Theodisco utar.

Neulich bemerkte eine befreundete Kollegin mir gegenüber keck, dass die Überschrift über dem Schulhomepage-Bericht über unsere heutige Tagung doch beispielsweise „Staub aufgewirbelt“ lauten könne.

Alte Sprachen, tote Sprachen: „Staub aufgewirbelt“. Aha! Ganz schön frech! Und doch passend. Aber sicher anders als sie es meinte.

Natürlich wirbeln wir Staub auf. Wir wirbeln sogar tagtäglich im Latein- und Griechischunterricht Staub auf. Aber nicht unseren eigenen, sondern fremden. Um ihn zu beseitigen.

Zum Beispiel den, der sich in dicken Lagen auf die deutsche Sprache gelegt hat. Der altsprachliche Unterricht sorgt für mehr Klarheit.

Oder den Staub, der das Verständnis von europäischer Kultur verdüstert. Der Griechisch- und Lateinunterricht macht den Blick auf die Wurzeln frei. 

Wohl in kaum einem anderen Bereich gymnasialer Didaktik und Methodik wurde in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten so viel Staub aufgewirbelt oder besser: so konsequent und innovativ über die Legitimation des eigenen Faches und somit über die Verbesserung des Bildungsangebotes und der Unterrichtsqualität reflektiert wie in den klassischen Sprachen.

Auch die heutige Veranstaltung mit ihren Vorträgen und Arbeitsgruppen ist ja ein weiteres Beispiel dafür.

Die Situation des altsprachlichen Unterrichts in der gastgebenden Schule stellt sich insgesamt recht erfreulich dar.

Das Ulricianum, 1646 von Graf Ulrich II. von Ostfriesland gegründet, ist mit über 1.800 Schülern (demnächst mit 13 Schuljahren wohl wieder über 2.000 Schülern) und etwa 160 Kollegen das größte Gymnasium Niedersachsens. Latein und Griechisch sind im Ulricianum seit jeher fest verankert.

Die Schülerzahlen im Fach Latein als zweite Fremdsprache kann man als auf hohem Niveau stabil bezeichnen. Noch vor wenigen Jahren konnten wir Anwahlzahlen gegenüber Französisch von bis zu 70 % verzeichnen, derzeit haben wir ein Verhältnis zwischen Latein und Französisch von etwa 1:1.

Freilich ist beiden Fächern mit Spanisch ein weiterer Mitbewerber um das Interesse der Schüler erwachsen. Wir bieten seit drei Jahren Spanisch auch als zweite Fremdsprache an. Da Spanisch in Mode ist und das Angebot bei uns auf maximal zwei Spanischklassen pro Schuljahr kontingentiert ist (faktisch haben wir zur Zeit eine Klasse pro Jahrgang), müssen die Schüler einen Zweitwunsch angeben. Davon profitiert hier ganz überwiegend Französisch.

So ergibt sich gegenüber Latein in der zweiten Fremdsprache im Ulricianum insgesamt ein leichtes Übergewicht zugunsten der beiden modernen Fremdsprachen, ohne dass Latein dadurch existentiell gefährdet wäre.

Als dritte Fremdsprache wird Latein - ebenso wie Französisch - zur Zeit allerdings nur selten gewählt.

Griechisch als dritte Fremdsprache bieten wir als Wahlpflichtunterricht an. Somit genießt das Fach im Ulricianum einen hohen Stellenwert und ist mit einem Höchstmaß an Verbindlichkeit in die Stundentafel integriert. Wir genehmigen auch kleine und allerkleinste Lerngruppen. Wir erkennen den besonderen Bildungswert des Faches Griechisch an, es gehört zur Tradition des Ulricianums und wir sehen die Verantwortung für das Fach, das wir als eines von ganz wenigen Gymnasien in der gesamten Region als reguläres Unterrichtsfach anbieten.

Die Anwahlzahlen schwanken freilich von Jahrgang zu Jahrgang. Dass unter diesen bestmöglichen Rahmenbedingungen in fast jedem Jahrgang

Griechischgruppen zustandekommen, ist nicht zuletzt dem besonderen Engagement unserer Griechischkollegen zu verdanken.

In der Kursstufe kommen in jedem Jahr schülerstarke Lateinkurse sowohl auf erhöhtem als auch auf grundlegendem Niveau, in Griechisch in fast jedem Jahr ein Kurs auf grundlegendem Niveau zustande.

Arbeitsgemeinschaften, Exkursionen und Studienfahrten zu Stätten der Antike, Teilnahme an verschiedenen Wettbewerben (jüngst mit zwei Preisträgerinnen sehr erfolgreich!) sowie weitere Projekte runden das unterrichtliche und außerunterrichtliche altsprachliche Angebot im Ulricianum ab.

Abschließend danke ich ganz herzlich unseren Musikern der Klasse 7a mit unserer Kollegin Imke Brandenburg für die schöne musikalische Umrahmung!

Ein ebenso herzlicher Dank den Organisatoren des heutigen Tages - darunter auch etlichen Schülern - und allen Referenten.

Der Tagung des NAV wünsche ich gutes Gelingen und hoffe schon jetzt, dass   man nicht das letzte Mal den Weg nach Aurich in unsere schöne Schule gefunden hat! 

Für heute also: Omnia, quae optamus, bene eveniant!

 

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