— von Stefan Gieseke

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Sie haben die erste Ausgabe unserer digitalen Mitteilungen vor Augen - überall verfügbar und in überzeugendem Layout. Mancher wird sich an diese neue Erscheinungsform erst gewöhnen müssen. Für alle, die die Mitteilungen doch lieber in Papierform in den Händen halten wollen, besteht die Möglichkeit zum Ausdruck der Mitteilungen aus der PDF-Version. Nicht nur in ökonomischer und ökologischer Hinsicht, sondern auch ästhetisch und in puncto Praktikabilität ist diese Innovation ein Schritt nach vorne; hierfür gilt mein besonderer Dank dem Redaktionsteam, den Herren Sören Conrad und Clemens Liedtke.

Aber die Erscheinungsform unserer Mitteilungen ist natürlich nicht die einzige Neuerung, die uns das neue Schuljahr beschert hat. Die Entscheidung zur Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium hat viele Veränderungen mit sich gebracht, die teils schon jetzt gültig sind, teils erst in den folgenden Jahren wirksam werden.

Der Niedersächsische Altphilologenverband hat sich engagiert für die Interessen der Alten Sprachen eingesetzt, auch wenn die Möglichkeiten zur Mitgestaltung begrenzt waren. Insbesondere der tatkräftigen Mitarbeit der stellvertretenden Vorsitzenden Frau Dr. Katja Sommer, ihrer sorgfältigen Lektüre der Erlassentwürfe und treffenden Formulierungen unserer Position ist es zu verdanken, dass der NAV immer zeitnah seine Positionierungen und Stellungnahmen in die politische Diskussion einbringen konnte.

Die wichtigsten Neuerungen werden sein, dass mit der Reduzierung der Pflichtstunden in der Mittelstufe und der Verlegung des Beginns der dritten Fremdsprache auf Jahrgang 8 wieder realistische Möglichkeiten bestehen, Schüler für eine weitere Fremdsprache zu gewinnen. Für Latein kann das bedeuten, hier Schüler zurückzugewinnen, die sich zunächst für eine andere Fremdsprache entschieden haben. Noch ist das Profil für Latein ab Klasse 8 im Curriculum noch nicht beschrieben, aber vorübergehend lassen sich anhand der Stundentafel 2, der zwar noch nicht endgültig vorliegenden Latinumsvorgaben und des bestehenden KC I bereits einige Rahmenbedingungen festlegen. Der NAV stellt Fachgruppen, die an einer Neugestaltung des Fremdsprachenkonzeptes arbeiten, im Servicebereich in Kürze Informationen zu „Latein ab Jahrgang 8“ sowie Formulierungshilfen für ein Fremdsprachenkonzept zur Verfügung.

Der frühbeginnende Lateinunterricht ab Klasse 5 ist erhalten geblieben und für den in Klasse 6 regulär beginnenden Unterricht der zweiten Fremdsprache stehen bis zum Kleinen Latinum nach Klasse 10 nun 19 Stunden zur Verfügung, so dass einerseits mehr Zeit für die Spracherwerbsphase entsteht, andererseits auch der Lektüre wieder mehr Raum gegeben wird.

In der Stundentafel 2, der „Stundentafel für den Profilunterricht“, gibt es jedoch trotz der energischen Einwände des NAV nur 17 Stunden für die zweite Fremdsprache von 6-10, was dort in den Schuljahrgängen 8, 9, 10 zu Dreistündigkeit führt. Dennoch sollte bei beiden Stundentafeln die eineinhalb Jahre 9.2 und 10 für Lektüre genutzt werden.

Der NAV begrüßt ausdrücklich, dass in Niedersachsen die differenzierten Latinumsabschlüsse erhalten bleiben sollen und durch die zeitliche Entzerrung in der Mittelstufe auch Caesar als möglicher Autor zum Kleinen Latinum nicht mehr in Klasse 9, sondern wieder in Klasse 10 vorgesehen ist.

Vorstöße, die der NAV zu einer besseren Versorgung des Wahlunterrichts mit Lehrerstunden und zur Revision des Klassenteilers für Sprachlerngruppen unternommen hat, sind zunächst ungehört und unkommentiert geblieben.

In der aktuellen politischen Diskussion um die Verpflichtung zur zweiten Fremdsprache in der Einführungsphase hat der NAV sehr früh und mit großem Nachdruck deutlich gemacht, dass der Sprachunterricht in der Sekundarstufe II einen auch für die kulturelle Bildung der Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen wesentlichen Beitrag liefert. Als Fachverband der Alten Sprachen halten wir eine mögliche Einsprachigkeit nach Klasse 10 schlichtweg für eine Katastrophe und hoffen auf eine besonnene politische Lösung.

Nach dem OVG-Urteil ist in vielen Kollegien Freude zu spüren, wieder Schulfahrten durchführen zu können. Auch der NAV hat sich für die Fahrten ausgesprochen und insbesondere die Bedeutsamkeit der Studienfahrten für die Schülerinnen und Schüler betont. Allerdings steht mit dem neuen Fahrtenerlass zu befürchten, dass bei dem gleichbleibenden Budget, das den Schulen zur Verfügung gestellt wird, die deutlich höheren Erstattungen der Kosten für die Lehrkräfte dazu führen werden, dass ein breites Fahrtenangebot an Schulen undenkbar ist und insbesondere kostenintensivere Fahrten – wie eben Studienfahrten nach Rom oder Griechenland – verhindert werden. Es liegt nicht am fehlenden Engagement der Kollegen, es liegt mal wieder an der unzureichenden finanziellen Versorgung der Schulen, wenn Fahrten künftig nur reduziert stattfinden werden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch wenn sich aktuell schon wieder vieles in den Schulen ändert, werden Sie bitte nicht müde, die Chance, die in diesen Veränderungen liegt, zu nutzen, um Latein an den Schulen Niedersachsens wieder besser zu positionieren. Für Ihr Engagement danke ich Ihnen schon heute voller Respekt und Anerkennung.

Stefan Gieseke

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